Frauen an der Universität, Frauen im Wissenschaftsbetrieb, erfolgreiche Frauen sind Frauen, die mit dem Kopf arbeiten, sind Frauen, die sich mit ihrem Kopf, ihrem Denken durchsetzen wollen.
Früher war die Reduzierung der Frau auf ihren Körper, als Heilige zum Anbeten, Hure zum Benutzen, Gefäß zum Ausbrüten der Kinder. Jetzt ist Mensch gleich Mann gleich Frau: denkend, analysierend, sezierend. die Welt erklärend? Alles kann gedacht, getan, kontrolliert werden, wenn mann/frau es nur richtig anpackt?
Und beides? Ist denn nicht beides möglich? Als Frau Körper und Geist, Kopf und Bauch einsetzen, ganz sein und so vielleicht einen Weg finden, der nicht direkt in die Zerstörung mündet?
Persönliche Erfahrung zum Thema universitärer Arbeit zu machen gilt nach wie vor als unwissenschaftlich, dabei bildet persönliches Erleben die Grundlage jeder Forschungstätigkeit. "Ich antworte nicht Fragen, ich antworte Fragenden" sagt ein östlicher Weiser. Auch die moderne Wissenschaftstheorie bestätigt: der Experimentator bestimmt den Ausgang des Experiments mit.
Also benennen wir es: persönliche Erfahrung passiert vor allem mit dem Körper, durch den Körper und wird von ihm gespiegelt. Ein sehr viel komplexeres In-der Welt-sein wird möglich, eines, das Grenzen kennt, sich als Teil eines Ganzen begreift und das Existenzrecht aller Wesen respektiert, im Gegensatz und in Auseinandersetzung mit der Hybris des Kopfes, des alleinigen, analytischen Denkens, das sich erhebt über alles andere.
Frauen tragen diesen Widerspruch in sich aus: Frauen tragen diesen Widerspruch in die Universität, in die Wissenschaft hinein. Aber wer sich selbst einbringt, wird verletzbar, angreifbar. Ist das von Frauen zu leisten, die sich ja immer noch auf schwankendem Boden befinden in den patriarchal geprägten Strukturen der Universität?
Möglichkeiten:
Da ist die Frau, die alles will, eine Hermaphrodithe.
Erigierter Penis, herausgestreckte Brüste, sie steht hoch oben, über allem. Sie steht auf dem Tisch, das gehört sich nicht. Es ist zudem eine wacklige Konstruktion. Wie leicht kann sie fallen.
Sie will alles und ist doch selbst nicht ganz.
Dagegen: Torso, weiblich. Eine Frau, stehend auf einem Bein, das Knie angewinkelt, eine Haltung wie eine Sprungfeder: Ihr ganzer Körper ist Dynamik, aus der Drehung um die eigene Achse kommt die Kraft, eben jene zu überwinden. Po und Knie stoßen in den Raum, aus der Mitte heraus. Geht das nicht zu weit, wird die Bewegung nach außen gehalten werden von dem kraftvollen üppigen schweren lebendigen Körper, dem man ansieht, das er schon gelebt hat?
Aber der Kopf - er bremst die Bewegung des Leibes, der Bewegung, die im Bauch geboren ist. Der Kopf neigt sich nach unten, fast verschämt. Kann das alles sein, darf das alles sein, was da aus mir heraus will, scheint er zu fragen.
Dem Torso gegenüber, gleichsam als Anmerkung beigegeben, das Insekt. Die Frau in Ekstase, sie ist fast nur noch Bauch - aber angenagelt, preisgegeben, den Blicken zum Fraß vorgeworfen. Die Frau ganz aus sich heraus . ein seltenes, seltsames Tier, ein Schmuckstück in jeder Raritätensammlung, mit leichtem Schaudern bewundert, in der freien Wildbahn möchte man ihr doch lieber nicht begegnen.
Am Rande des Raumes, den die Hermaphrodithe bestimmt, das Kind, das Mädchen. Sitzt auf der Treppe und sieht. Ist noch nicht beschädigt, ist in sich, scheint sich selbst schützen zu wollen, mit angewinkelten Knien, die Arme verschlungen.
Doch der Blick, der konzentrierte Blick geht nach außen, richtet sich auf die Hermaphrodithe. Kommt jene von ihr, will sie dort hin?
Frauen, aufgereiht - fünf Frauen hängen an der Stange, fünf Frauen in derselben Situation: sie müssen sich selbst halten. Eine ängstlich, preßt auch noch die Knie zusammen, als ob das ihr Halten besser würde, die andere willenlos, hängt eben, hängt, eine verkehrt herum und eine andere im Aufbegehren versucht den Hüftaufschwung.
Fleischerei, Wäscheleine, Fitnesstudio - alle zusammen, jede anders.
Eine allein. Die Schutzmantelmadonna. Der Mantel der Maria als das Bewahrende, das Schutz und Zuflucht gebende den Zweiflern und Gläubigen.
Hier entsteigt sie selbst ihrem Mantel, hüllt sich nicht mehr ein in ihn, sondern wird neu geboren im Verlassen des Mantels wie auch die Schlange mit jeder Häutung neugeboren wird. Altes muß sterben, verbrennt zu Asche und aus der Hitze, die Altes mit Macht zerstört, wird das Neue geboren.
Geburt und Tod, Leben und Sterben. Der Bauch der Gebärenden ist eine goldene Höhle, ein goldener Käfig zugleich. Loslassen beim Gebären und beim Sterben. Die Tanzende Alte und die Skelettfrau. Der Tanz, der Flucht und Annäherung zugleich ist.
Sitzende Frauen. Die Trägheit, schwer, in sich ruhend, ihres Körpers, ihrer Mächtigkeit bewußt. Fast kann der fragile Klappsessel sie nicht tragen. Diese Frau ist Gefäß, indem sie in sich ruht, wachsen die Dinge in ihr. Sie hat die Macht, Neues zu nähren und wachsen zu lassen in sich, in ihrem Bauch, aus sich heraus. Ideen oder Kinder oder alles beides.
Die Frau auf der Bank hat geboren, Ideen, ein Kind. Sie ist der Welt zugewandt, offen. Sie will teilnehmen an der Welt und für ihr Kind da sein. Möglich ist das schon, aber es zerreißt sie fast, im Bauch und im Kopf.
Die Schlittenfrauen in rasender Talfahrt. Frau muß erst auf dem Berggipfel angekommen sein, damit so eine rasende Talfahrt möglich ist. Bergauf und Bergab. Wehenberge und -täler. Es steht in jedem Lehrbuch: Es wird einfacher, wenn frau mit den Wehen mitatmet, sich hineinbegibt in den Rhythmus von Anspannung und Pause anstatt sich entgegenzustemmen. Ebenso scheint es mit den Rhythmen des Lebens zu sein: "Höchstes Lachen / und höchstes Weinen / eines Schaukelschwungs / Gipfel sind sie. (Chr. Morgenstern)
Körperkommentare. Körper, Frauenkörper als Zustandsbeschreibung, als Porträt, als Spiegel der Seele, als Ort der Wahrnehmung, der inneren Kraft, als Ort von Kompetenz, aber auch als Angriffsfläche, als offene Wunde sogar.
Der Körper der Frau als Projektionsfläche im Allgemeinen, hier zum Träger, zum Ausdruck ihrer Befindlichkeit, ihres In-der-Welt-sein geworden.
August/September 1999
Berit Molau
Zusammenfassung: Deutschland ! Germany (Allemagne)Alemania & +49 , D !!!
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